Exkursion des WPU Deutsch (E-Phase) ins Deutsche Theater zu „Jugend ohne Gott

Passend zu unserer Unterrichtslektüre sahen wir uns am 20.11.25 im Deutschen Theater die Inszenierung des Romans „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth an. Der DS-Kurs aus der Q3 von Frau Modde begleitete uns.  

Der 1937 im Exil veröffentlichte Roman „Jugend ohne Gott“ thematisiert das Verhalten einer Schulklasse in der Zeit des Nationalsozialismus. Aus der Perspektive eines Lehrers wird erzählt, wie seine Klasse unter dem Einfluss der NS-Propaganda moralisch verroht und zusehends gewalttätiger wird. Der Lehrer distanziert sich im Verlauf des Romans immer deutlicher von dem rassistischen, menschenverachtenden Denken und Handeln seiner Schüler und riskiert damit seine eigene Existenz. Vereinzelte Schüler schließen sich ihm in einer Widerstandsgruppe an. Der Roman ist ein lesenswertes Zeitzeugnis, was die erschreckenden Auswirkungen der NS-Propaganda auf die Jugend aufzeigt und zugleich Beispiele für verantwortungsvollen, mutigen Widerstand präsentiert. 

Die moderne Inszenierung von „Jugend ohne Gott“ des DT jung* unter der Regie von Emel Aydoğdu problematisiert ebenfalls die Auswirkungen der NS-Propaganda auf das Denken und Handeln der damaligen Jugend, indem die Schauspieler*innen chorisch ihre Texte vortrugen und über die Bühne im Gleichschritt marschierten.  

Zugleich stellt die Inszenierung jedoch auch Gegenwartsbezüge her. So kommt es etwa nach der Hälfte der Handlung zu einem plötzlichen Bruch und die Schauspieler*innen schlüpfen aus ihren Rollen, indem sie auf der Bühne ihre Kostüme ausziehen und anschließend miteinander auf der Bühne diskutieren, warum es wichtig sei, sich in der Gegenwart mit der NS-Zeit zu beschäftigen. Dabei ziehen sie Parallelen zwischen der NS-Ideologie und den Wahlprogrammen aktuell erstarkender rechter Parteien in Europa. Außerdem berichten sie anschaulich von ihren eigenen gegenwärtigen Erfahrungen mit Diskriminierung, Hass, Rassismus und Queerfeindlichkeit. Zum Schluss wird – ähnlich wie im epischen Theater von Brecht – die vierte Wand durchbrochen: Die Schauspieler*innen treten mit dem Publikum in eine Diskussion.  

Neben der aktuellen politischen Botschaft fanden wir als Kurs auch die kreativen, uniformartigen Kostüme aus Federn beeindruckend und diskutierten im Anschluss noch länger über die Bühnengestaltung. 

Allen, die eine moderne, gesellschaftskritische Inszenierung sehen möchten, sei „Jugend ohne Gott“ im Deutschen Theater wärmstens empfohlen! 

Text und Foto: Miriam Bergel